Fragments with iron and leather concretions. (FindID 56555)

Haare dauerhaft glätten: Verfahren, Haltbarkeit, Risiken

Kurzantwort: Glatt bleibt nur der Teil des Haares, der behandelt wurde. Der Nachwuchs kommt in der alten Struktur, rund einen Zentimeter im Monat. Die thermische oder japanische Glättung mit Thioglykolat hält etwa vier bis sechs Monate. Bei Keratinglättungen aus dem Ausland taucht immer wieder Formaldehyd auf, das in kosmetischen Mitteln in der EU verboten ist.

Kopfhaar wächst etwa einen Zentimeter im Monat. Nach einem halben Jahr steht also ein handbreiter Ansatz da, der sich anders verhält als die geglätteten Längen.

„Dauerhaft“ beschreibt bei jeder Glättung deshalb eine Haltbarkeit, keinen Endzustand. Die Frage ist, wie lange sie hält und was du dafür in Kauf nimmst.

Hier stehen die drei gängigen Verfahren, ihre Wirkung im Haar, die belegten Risiken und die Punkte, an denen du ein unseriöses Angebot erkennst.

Was im Haar passiert

Haar besteht überwiegend aus Keratin. Die Form hält unter anderem an Disulfidbrücken, festen Schwefelverbindungen zwischen den Eiweißketten.

Chemische Glättung arbeitet in drei Schritten: Ein Reduktionsmittel öffnet diese Brücken, das Haar wird in die neue Form gebracht, ein Oxidationsmittel schließt sie wieder. Dieselbe Abfolge steckt hinter der Dauerwelle, nur mit anderer Zielform.

Haare glätten: dauerhaft oder nur bis zur nächsten Wäsche

Glätteisen und Föhn wirken dagegen nur auf schwächere Wasserstoffbrücken. Die lösen sich bei Feuchtigkeit — deshalb hält das Ergebnis bis zur nächsten Wäsche oder bis zum nächsten Regen.

Thermische oder japanische Glättung

Zuerst kommt eine Formulierung mit Thioglykolat ins Haar, die während der Einwirkzeit die Disulfidbrücken löst. Danach wird ausgespült und getrocknet.

Im trockenen Zustand wird jede Strähne mit dem Glätteisen unter Hitze geformt. Zum Schluss fixiert ein Oxidationsmittel, meist Wasserstoffperoxid, die neue Form.

Das Ergebnis hält ungefähr vier bis sechs Monate und wächst dann heraus. Behandelt wird anschließend nur der Ansatz, weil eine zweite Behandlung derselben Längen sie zusätzlich schwächt.

Die Behandlung dauert je nach Haarlänge mehrere Stunden. Preise legt jeder Salon selbst fest, verbindliche Sätze gibt es im Friseurhandwerk nicht.

Relaxer für stark gelocktes Haar

Relaxer arbeiten mit Natronlauge oder mit Calcium- und Guanidinhydroxid. Sie sind stark alkalisch und öffnen die Struktur schneller und tiefer als Thioglykolat.

Genau daraus entsteht das Risiko: Bleibt das Mittel zu lange auf der Kopfhaut, kommt es zu Verätzungen. Die Einwirkzeit muss auf die Minute stimmen, danach wird neutralisiert.

Vorgeschädigtes, blondiertes oder frisch gefärbtes Haar verträgt das kaum. Zwei chemische Verfahren am selben Tag gehören nicht zusammen.

Keratinglättung und das Formaldehyd-Problem

Unter Namen wie Keratinglättung oder Brazilian Blowout laufen Behandlungen, bei denen das Haar mit einer Lösung getränkt und anschließend heiß geglättet wird. Den Glättungseffekt liefert in vielen dieser Produkte freigesetztes Formaldehyd, das beim Föhnen verdampft. Keratin steht vor allem auf der Packung.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung warnte bereits 2010 davor. Untersuchungsämter in Baden-Württemberg fanden damals freies Formaldehyd in Konzentrationen von 1,7 bis 1,8 Prozent. Formaldehyd reizt Augen, Haut und Schleimhäute stark, kann Allergien auslösen und gilt beim Einatmen als krebserzeugend im Nasen-Rachen-Raum.

Seit August 2019 steht Formaldehyd in Anhang II der EU-Kosmetikverordnung und ist damit in kosmetischen Mitteln verboten. Vorher war es als Konservierungsstoff bis 0,2 Prozent zulässig.

Das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Karlsruhe prüfte 2018 insgesamt 26 im Internet gekaufte Kosmetika. Sechs davon wurden als gesundheitsschädlich beurteilt, darunter zwei Haarglättungsmittel mit sehr hohen Formaldehydgehalten. Bei der Hälfte aller Proben fehlte eine verantwortliche Person mit Sitz in der EU.

Woran du ein Problemprodukt erkennst

Brennende Augen und stechender Geruch während der Behandlung sind ein deutliches Zeichen. Dazu kommen Etiketten ohne deutsche Kennzeichnung, ohne vollständige Inhaltsstoffliste und ohne Anschrift einer verantwortlichen Person in der EU.

Was eine große Studie zum Krebsrisiko fand

Im Oktober 2022 veröffentlichte das Journal of the National Cancer Institute eine Auswertung der US-amerikanischen Sister Study. Ausgewertet wurden Daten von 33.947 Frauen über im Schnitt knapp elf Jahre.

Frauen, die Glättungsmittel angegeben hatten, erkrankten etwa doppelt so häufig an Gebärmutterkrebs wie Frauen ohne solche Angaben. Bei mehr als vier Anwendungen im Jahr lag der Faktor bei rund 2,5.

In absoluten Zahlen: Bis zum 70. Lebensjahr erkrankten der Auswertung zufolge 1,64 Prozent der Frauen ohne Anwendung und 4,05 Prozent der häufigen Anwenderinnen.

Die Autorinnen betonen die Grenzen. Die Angaben stammten aus Selbstauskunft, die Produkte wurden nicht analysiert, und eine Ursache ist damit nicht bewiesen. Für Haarfarben, Dauerwellen und Blondierungen fand dieselbe Auswertung keinen Zusammenhang.

Wer besser verzichtet

Bei bekannter Allergie gegen Formaldehyd oder Thioglykolate, bei Ekzemen und offenen Stellen auf der Kopfhaut und bei stark blondiertem Haar ist das Risiko höher als der Nutzen.

In Schwangerschaft und Stillzeit gilt dasselbe, allein wegen der Dämpfe im Raum. Sets aus dem Ausland ohne EU-Kennzeichnung gehören generell nicht auf den eigenen Kopf.

Wer es trotzdem probieren will, fragt im Salon nach dem Produktnamen und dem Etikett. Ein seriöser Betrieb zeigt beides ohne Zögern und lüftet während der Behandlung.

Häufige Fragen

Wie lange hält eine dauerhafte Haarglättung?

Die thermische Glättung etwa vier bis sechs Monate, danach wächst der Ansatz in alter Struktur nach.

Wächst geglättetes Haar wieder lockig nach?

Ja. Behandelt ist nur das vorhandene Haar, nicht die Wurzel.

Gibt es Keratinglättung ohne Formaldehyd?

Produkte ohne Formaldehyd sind in der EU Pflicht. Der Glättungseffekt fällt dann schwächer aus.

Kann man glätten und färben kombinieren?

Nicht am selben Tag. Zwischen zwei chemischen Behandlungen sollten mehrere Wochen liegen.

Was ist der Unterschied zum Glätteisen?

Das Eisen löst nur Wasserstoffbrücken. Der Effekt verschwindet mit Feuchtigkeit.

Ist die Behandlung in der Schwangerschaft erlaubt?

Verboten ist sie nicht. Wegen der Dämpfe und der fehlenden Daten raten Fachleute davon ab.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Marie, Redaktion frauenlifestyle.de — sie schreibt hier über Pflege, Mode und was davon im Alltag trägt.

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