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Graue Haare: Ursache, Alter und was wirklich dahintersteckt

Kurzantwort: Graue Haare entstehen, weil die Pigmentzellen im Haarfollikel weniger Melanin liefern und irgendwann ganz aufhören. Als Hauptursachen gelten die Erschöpfung der Melanozyten-Stammzellen und oxidativer Stress durch Wasserstoffperoxid, das im Follikel nicht mehr ausreichend abgebaut wird. Wann das anfängt, ist stark erblich.

Ein einzelnes weißes Haar zwischen den anderen fällt sofort auf. Das Haar selbst ist unverändert dick und stabil, ihm fehlt nur die Farbe.

Was umgangssprachlich grau heißt, ist meistens eine Mischung. Einzelne pigmentlose Haare stehen zwischen gefärbten, und aus einem halben Meter Abstand ergibt das den Grauton.

Hier steht, was in der Haarwurzel abläuft, ab wann das statistisch normal ist und welche der verbreiteten Erklärungen einer Prüfung standhalten.

Was in der Haarwurzel passiert

Die Farbe entsteht am Grund des Follikels. Dort sitzen Melanozyten und geben Pigment an die wachsenden Haarzellen ab.

Zwei Pigmenttypen bestimmen den Ton: Eumelanin für Braun und Schwarz, Phäomelanin für Rot und Gelb. Ihr Mischungsverhältnis ergibt die Naturfarbe.

Jedes Haar durchläuft immer wieder neue Wachstumszyklen. Die Wachstumsphase dauert am Kopf mehrere Jahre, danach folgen eine kurze Übergangs- und eine Ruhephase, dann fällt das Haar aus und ein neues startet.

Für jeden neuen Zyklus müssen frische Pigmentzellen aus einem Stammzellvorrat nachgeliefert werden. Ist der Vorrat aufgebraucht, wächst das Haar farblos nach. Der Kopf ergraut deshalb Follikel für Follikel über viele Jahre hinweg.

Wasserstoffperoxid im Follikel

Eine viel beachtete Arbeit einer Gruppe um Jörg Wood erschien 2009 im FASEB Journal. Die Forschenden fanden in grauen und weißen Haarschäften Wasserstoffperoxid in millimolarer Konzentration.

Gleichzeitig war das Enzym Katalase, das Wasserstoffperoxid normalerweise abbaut, kaum noch nachweisbar. Auch die Reparaturenzyme für oxidierte Aminosäuren fehlten weitgehend.

Das Bild dahinter: Der Follikel bleicht sich über Jahre selbst aus, weil er sein eigenes Oxidationsmittel nicht mehr entsorgt. Ein Beweis für die alleinige Ursache ist das nicht, ein wichtiger Baustein schon.

Die 50-Jahre-Regel stimmt nicht

Lange kursierte die Faustregel, die Hälfte aller Menschen habe mit 50 Jahren die Hälfte graues Haar. Eine Untersuchung von Panhard und Kollegen im British Journal of Dermatology hat das 2012 überprüft.

Befragt und begutachtet wurden 4.192 Menschen auf fünf Kontinenten. Der Anteil derjenigen, die mit 50 mindestens zur Hälfte ergraut waren, lag je nach Herkunft und Naturfarbe zwischen 6 und 23 Prozent.

Die alte Regel überschätzt das Ergrauen also deutlich. Wenn du mit Mitte vierzig kaum graue Haare hast, ist das der Normalfall.

Was die Gene entscheiden

2016 fand eine Arbeitsgruppe um Kaustubh Adhikari in einer großen Studie an über 6.000 Menschen in Lateinamerika einen ersten genetischen Treffer für das Ergrauen: das Gen IRF4, das schon länger mit heller Haarfarbe in Verbindung steht.

Es erklärt nur einen Teil der Unterschiede. Trotzdem ist es der bislang deutlichste Hinweis, dass der Zeitpunkt in der Familie liegt.

Praktischer Anhaltspunkt: Wenn deine Eltern früh ergraut sind, ist die Wahrscheinlichkeit bei dir erhöht. Beeinflussen lässt sich das nicht.

Stress, Rauchen und Krankheiten

2020 zeigte eine Gruppe um Bing Zhang in Nature an Mäusen, dass starke Aktivierung des sympathischen Nervensystems die Melanozyten-Stammzellen aufbraucht. Das Fell ergraute dauerhaft.

Beim Menschen untersuchte eine Arbeit in eLife 2021 einzelne Haare unter dem Mikroskop und verglich Farbverläufe mit Stresstagebüchern. Einzelne Haare hellten sich in belastenden Phasen auf und gewannen danach Farbe zurück.

Das sind kleine Fallzahlen und kein Beleg dafür, dass Stress dauerhaft grau macht. Ein Zusammenhang ist damit aber plausibel geworden.

Frühes Ergrauen kann auch medizinische Gründe haben. Genannt werden Vitamin-B12-Mangel, Schilddrüsenerkrankungen und Vitiligo, bei der die Pigmentzellen auch in der Haut verloren gehen.

Bei starkem Ergrauen vor dem 25. Lebensjahr lohnt eine ärztliche Abklärung. Ein Blutbild mit Vitamin B12, Ferritin und Schilddrüsenwerten kostet wenig und schließt die häufigsten dieser Ursachen aus.

Was nichts bringt

Ein graues Haar auszureißen lässt nicht zwei nachwachsen. Aus einem Follikel wächst immer nur ein Haar, und es kommt in derselben Farbe zurück.

Shampoos, Kuren und Nahrungsergänzung bringen kein Pigment zurück. Wo die Pigmentzellen fehlen, kann keine Pflege sie ersetzen.

Bleibt das Färben. Wer die Ansätze kaschieren will, braucht dafür alle vier bis sechs Wochen einen Termin, weil Haar rund einen bis anderthalb Zentimeter im Monat wächst.

Sanfter als eine Oxidationsfarbe sind Tönungen. Sie lagern Farbstoff außen an, waschen sich nach einigen Haarwäschen heraus und verlangen keinen scharfen Ansatzstrich.

Die dritte Möglichkeit ist der Übergang. Wer die Länge kürzt und den grauen Ansatz durchwachsen lässt, hat die Sache nach etwa zwei Jahren hinter sich. Strähnen im Übergangsbereich machen die Grenze weicher.

Häufige Fragen

Ab wann sind graue Haare normal?

Einzelne graue Haare gibt es bei vielen Menschen ab dreißig. Nach der Untersuchung von 2012 sind mit 50 Jahren je nach Herkunft nur 6 bis 23 Prozent zur Hälfte ergraut.

Kann Stress Haare grau machen?

Im Tierversuch ja. Beim Menschen gibt es Hinweise aus einer kleinen Studie von 2021, in der einzelne Haare in Belastungsphasen heller wurden. Ein sicherer Beleg fehlt.

Wachsen zwei graue nach, wenn ich eins ausreiße?

Nein. Jeder Follikel bringt ein Haar hervor. Ausreißen reizt die Haarwurzel und kann sie auf Dauer schädigen.

Lässt sich Ergrauen rückgängig machen?

Bei einzelnen Haaren wurde eine Rückkehr der Farbe beobachtet. Ein Verfahren, das ergrautes Haar zuverlässig wieder pigmentiert, gibt es nicht.

Welche Mangelzustände spielen eine Rolle?

Beschrieben sind vor allem Vitamin-B12-Mangel und Schilddrüsenstörungen. Beides lässt sich im Blut prüfen.

Wird graues Haar drahtiger?

Viele beschreiben das so. Belastbare Messungen dazu sind rar, deshalb gilt es als Beobachtung und nicht als gesicherter Befund.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Marie, Redaktion frauenlifestyle.de — sie schreibt hier über Pflege, Mode und was davon im Alltag trägt.

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